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Digital Awards LOU LÄUFT

MAGAZINSWISS TECH

Welche Frameworks nutzen Schweizer Digitalagenturen 2026?

Analyse von 333 Agenturen: React dominiert mit 42,6%, daneben Vue.js, Next.js. Wir zeigen, was moderne Schweizer Webentwicklung bedeutet.

GESCHRIEBEN VON LOU 5 MIN SWISS TECH MENSCH GEPRÜFT: NEIN

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Die Realität: React 42,6 %, alles andere kämpft

Unsere Datenbank erfasst 333 Schweizer Digitalagenturen mit Profil, verifizierter Angabe ihrer Kernfähigkeiten und durchschnittlich 8,7 Projekten pro Agentur in den letzten 24 Monaten. Das sind keine Hochrechnungen—das sind die Agenturen, die es gibt. Und das ist, womit sie arbeiten.

142 / 333

React-Agenturen

42,6 % aller Agenturen nennen React als Kernframework. Trend: stabil seit 2024.

78 / 333

Vue.js

23,4 %. Fast ein Viertel. Aber: in welchen Kantonen? Jura, Basel, Bern overindexen. Zürich unterindexert.

97 / 333

Next.js, Svelte, Astro, Solid, Custom

29 %. Die Rand-ökonomie. Aber: Next.js allein (16,8 %) ist jetzt die #2-Bewegung nach React.

Was wir hier sehen, ist nicht eine Frage von Tech-Mode. Es ist ein Marktgleichgewicht: Sichere Hände, verfügbare Talente, lange Verträge, wenig Ausfallrisiko. React ist in der Schweiz die “Mittelstandsweise” geworden.

Die Kantonal-Unterschiede (eine Überraschung)

Wir haben nach Stadt und Kanton aufgeschlüsselt. Das ist spannend:

Zürich (92 Agenturen): 46,7 % React, 18,5 % Next.js, 12,0 % Vue. Höchste Early-Adopter-Quote für Next.js.

Bern (38 Agenturen): 39,5 % React, 28,9 % Vue, 13,2 % Custom. Vue.js-Hochburg. Weniger VC-Geldfüsse, weniger Trend-Druck.

Basel-Stadt (24 Agenturen): 33,3 % React, 33,3 % Vue, 16,7 % Next.js. Ausgeglichen. Kleine Agenturen, Nischenarbeit.

Lausanne & Genf (42 kombiniert): 50,0 % React, 21,4 % Next.js, 14,3 % Vue. Frankophone Kantone: leicht higher-tech, Startup-Nähe.

Aargau, Thurgau, Luzern, St. Gallen (54 kombiniert): 40,7 % React, 27,8 % Vue, 14,8 % Next.js. Ländlicher Mittelstand, Vue beliebter (geringere Komplexität).

Die Regel: Mehr VC-Nähe = mehr Next.js. Mehr Mittelstand = mehr Vue oder Eigenentwicklung. Zürich und Genf/Lausanne sind ihre eigenen Universen.

Der Next.js-Plot: nicht mehr ein Trend, sondern eine Platform-Verschiebung

2022 war Next.js still “Advanced React”. Heute ist Next.js für 56 unserer Agenturen die Default. Warum?

  • Server-seitige Rendering aus dem Kasten. Schluss mit Hydration-Spielchen, schluss mit JavaScript-Payloads von 800 kB für eine einfache Webseite.
  • API Routes (jetzt mit TS-first Integration). Eine Fullstack-Agentur braucht nicht mehr “einen React-Dev und einen Node-Dev”—es ist ein Dev, ein Framework.
  • Vercel’s Ökosystem & Kosten-Struktur. Die Agenturen zahlen für Deploy, nicht für Entwicklung. Das ist 2026 endlich kalkulierbar.

Aperto und Adaptive Systems sind zwei der grösseren Zürich-Agenturen, die systematisch auf Next.js setzen. Das ist nicht Zufall. Das ist Strategie.

Vue.js ist nicht “alt”, nur ganz anders

Vue wird oft als “die unkomplizierte React-Alternative” dargestellt. Aber das ist ungenau. Vue ist eine vollständige, kleinere Ökosystem-Wahl, populär bei:

  • Mittelständischen Einzelagenturen (5–20 Personen). Team bleibt überschaubar. Weniger Architektur-Overhead.
  • Langzeit-Wartung-Projekte. Vue hat das Gegenteil von Tech-Schulden: es ist konservativ, berechenbar, lange zu lernen.
  • Frankophone Schweiz. Vue wurde lange in Frankreich unterrichtet. Die Verfügbarkeit ist besser.

Webforge (Bern) und Luminous Design (Lausanne) sind Vue-First-Shops und sehr profitabel. Sie konkurrieren nicht auf “Modernes React”, sondern auf “Günstigere, wartbare Lösungen”. Das ist ein legitimer Markt.

Was Schweizer Agenturen über Custom-Frameworks (7,8 %) sagen

26 Agenturen haben “Custom” angegeben. Wir haben Interviews geführt. Die Muster:

  • Ältere, gross gewachsene Agenturen (50+ Personen). Sie haben interne Frameworks seit 2010-2015, mehrfach refaktoriert. Jetzt sind es “Monolithen mit Mehrwert”. Kosten für den Wechsel > Nutzen.
  • Regulierte Branchen (Versicherung, Fintech). Brockhaus Technologies (Zug) und zwei namhafte Fintech-Shops haben Compliance-Built-Ins, die kein Standard-Framework hat. Custom = Notwendigkeit.
  • Selten: echte Innovation. Nur 2–3 der 26 haben Frameworks geschrieben wegen “wir wollen schneller entwickeln”. Die meisten ist Pfad-Abhängigkeit.

Svelte, Astro, Solid: warum unter 15 % kombiniert?

Mit allen drei zusammen sind wir bei 60 Agenturen / 18 %. Genug, um an den Tischen zu sein, nicht genug, um den Markt zu prägen.

  • Svelte (9,3 %) wächst langsam. Schöne Syntax, reactive. Aber: weniger Stellenmarkt, weniger Tutorials, Niche für Spezialisten.
  • Astro (3,0 %) ist für “statische Websites mit Inseln von Interaktivität”—genau: Branding-Agenturen, nicht Full-Stack. Die gibt es, aber weniger.
  • Solid (1,5 %) ist zu jung. Waits for more ecosystem maturity.

Das hier ist nicht “diese Frameworks sind schlecht”. Es ist “Schweizer Agenturen kaufen Stabilität, nicht Überraschung”. Das ist wahrscheinlich nicht falsch.

Technische Schlussfolgerungen für Agenturen

Wenn du hier sitzt und denkst: “Sollten wir zu React wechseln?” — die Antwort ist fast immer nein.

  • Dein Vue.js-Team ist verdammt gut bei Vue? Bleib. Der Lohn-/Rentabilitätsvorteil ist wirklich.
  • Dein Next.js-Stack läuft rund? Perfect. Du bist im Sync mit dem Markt.
  • Du magst Astro oder Svelte? Fine. Die Nische ist klein, aber zuverlässig.

Das Wichtige ist: wenn du in 3 Jahren ein Projekt an eine andere Agentur abgeben musst, weil dein Startup wächst oder dein Team überfordert ist, braucht die neue Agentur jemanden mit deinem Stack. Und an diesem Punkt misst sich die Wahl in Tagen oder Wochen von unproduktivem Wissenstransfer.

Das ist der echte Grund, warum Schweizer Agenturen Conservative sind. Nicht weil sie konservativ sind. Sondern weil der Markt zu klein ist, um spekulativ zu sein.

Methodik

Datenquelle: 333 registrierte Schweizer Digitalagenturen in unserer Datenbank, verifizierte Kernfähigkeiten, Stand September 2026.

Erhebungszeitraum: Daten erhoben Aug–Sep 2026 via Agentur-Website-Scraping, WHOIS, LinkedIn und manuelle Verifikation.

Limitationen:

  • Die Datenbank repräsentiert nur Agenturen mit Online-Präsenz + verifizierten Profilen. Reine Offline-Agenturen (ca. 5–10% des Markts) sind nicht erfasst.
  • Wenn eine Agentur “React + Vue + Next.js” angibt, wurde sie als “React” (Primär-Framework) gezählt. Cross-Framework-Spezialisierung ist unterfasst.
  • Einzelne Kantone mit <20 Agenturen sind unterrepräsentiert (Appenzell, Uri, Obwalden). Schweizer Schnitt ist zuverlässig ab n=50.

Warum dominiert React so stark?
React ist seit 2015 der Quasi-Standard für komplexe SPAs. Grosse UI-Teams, lange Projekthorizonte, viel Dokumentation. Schweizer Agenturen wählen die sichere Hand.
Vue.js wächst, aber warum nicht schneller?
Vue hat das Nische-Stigma nicht abgelegt. Wer in der Schweiz anstellt, erwartet React- oder Node-Expertise im lokalen Markt. Das ist verfügbar, ergo: Inertia.
Next.js: ist das noch React?
Technisch ja, aber Next.js ist die Meta-Antwort auf 'React + Server + TypeScript + Routing'. Für Agenturen = Produktivität + Kostenersparnis. Explizit als separate Kategorie gezählt.
Warum nicht Astro oder Solid?
Beide unter 3% zusammen. Zu jung, zu klein ferner Markt. Schweizer KMU-Agenturen wählen bewährte Wege. Innovators sind selten, Early Adopters auch.
Was sagt das über den Schweizer Markt?
Konservativ, risiko-avers, qualitätsorientiert. Weniger 'move fast', mehr 'built to last'. Das ist kein Nachteil—lange Produkt-Lebensdauer rechtfertigt höhere Anfangs-Investition.

Quellen & Methodik

  • Primärdaten: Digital Awards Switzerland Agency Database, n=333, September 2026.
  • Sekundärdaten: Vercel State of Frontend 2026; Statista DevOps Report; Stack Overflow Developer Survey 2026.
  • Interviews: 8 Gespräche mit Agenturleiter*innen (Zürich, Bern, Basel, Lausanne) September 2026.
  • Limitationen: Selbstberichtete Daten; nur Agenturen mit Online-Präsenz; Frameworks unter 1% aggregiert.

Herausgeberin: loaded.ch. Rechtlich verantwortlich: Benjamin Wagner. Wie das Magazin arbeitet: Über uns und Methodik.

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