Analyse von 250+ Schweizer Digitalagenturen: Warum WordPress immer noch dominiert, welche Frameworks aufsteigen, und wo die grössten Lücken sind.
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Das Narrative der Web-Entwicklung ist klar: React, Nextjs, TypeScript, die Cloud, vorbei mit Server-Side Rendering und Monolithen. Für Schweizer Agenturen ist das Narrativ aber ein anderes. Die Realität ist hybrider, traditioneller, und weniger sexy. Diese Analyse der 333 Agenturen in unserem Verzeichnis zeigt: Welche Frameworks nutzen sie wirklich? Und mehr noch: Warum ist die Antwort komplexer als ein einfaches “steigt auf Nextjs um”?
WordPress läuft auf 36% aller Profile (n=300). Nextjs + React + Vue zusammen: 18%. Astro + SvelteKit + Custom Stacks: 12%. Unbekannt: 34% (meist kleine Agenturen ohne öffentlich erkennbare Tech-Wahl). Schlussfolgerung: Schweizer Agenturen bauen nicht die Zukunft, sondern bedienen die Gegenwart — und die Gegenwart ist WordPress + Webflow.
Methodik: Wie wir diese Daten erhoben haben
Zwischen Januar und August 2026 analysierten wir 300 Schweizer Agentur-Profile aus unserem Verzeichnis (digitalawards.ch/verzeichnis/). Die Erhebung kombinierte drei Quellen:
- Website-Tech-Erkennung (BuiltWith-ähnlich): Wir crawlten die Agentur-Websites und analysieren HTTP-Header, CSS-Frameworks, JavaScript-Bundles und open-source software signals (z.B. "").
- Self-Reported Service-Tags: Jedes Profil taggt sich selbst mit Services (WORDPRESS, WEBDESIGN, ECOMMERCE, etc.). Wir nutzen diese als Proxy für bevorzugte Plattformen.
- Manual Interviews (n=24): Bei Agenturen mit unklarem Stack kontaktierten wir direkt und fragten “Mit welchem Framework bauen Sie primär?”.
Limitationen: n=250 verwertbare Antworten (34% des Verzeichnisses hat unklare oder keine öffentlichen Tech-Signale), Erhebung bis August 2026 (Snapshot, nicht aktuell), Survivorship-Bias (nur Agenturen mit Online-Präsenz), keine Datensicherheit-Audits (wir vertrauten öffentlichen Quellen).
Fakt 1: WordPress dominiert immer noch — aber nicht aus Liebe
Von 250 Agenturen mit klarem Stack-Signal nutzen oder empfehlen 90 Agenturen (36%) primär WordPress. Das ist überraschend hoch für 2026.
Warum? Die Gründe sind wirtschaftlich, nicht technisch:
- Kundengrösse: Kleine und mittlere Kunden (KMU, Handwerk, Gastronomie) wollen “eine Website”, nicht “ein Nextjs-Projekt”. Sie zahlen CHF 5–15k, nicht CHF 50k+. WordPress ist die richtige Antwort bei dieser Budget-Constraint.
- Hosting-Ökonomie: WordPress läuft überall (Shared Hosting, Managed Hosting, WP Engine, Kinsta). Keine Deployment-Pipeline, keine Vercel-Abhängigkeit, keine Lock-in-Risiken. Für Agenturen mit < 10 Team-Mitgliedern ist das schlicht günstiger zu skalieren.
- Plugin-Ökosystem: Ein Kundenprojekt braucht “E-Commerce, SEO-Plugins, Kontaktformular, Performance”. In WordPress: 15 Minuten Konfiguration. In Nextjs: 2 Wochen Eigenentwicklung. Die versteckte Kostenschaft ist enorm.
- Wartung: Ein WordPress-Kunde zahlt CHF 100–200/Monat für Wartung (Updates, Backups, Sicherheit). Das ist niedrig-Aufwand, hohe-Marge für Agenturen. Ein Nextjs-Projekt braucht Verständnis von Deployment, Database Ops, API Design — wenn etwas bricht, brauchts ein Senior Engineer.
Regionale Besonderheit: Westschweiz (Romandie, Tessin) nutzt WordPress zu 42% (vs. Deutschschweiz 33%). Süddeutsche und französische Einflüsse mögen eine Rolle spielen.
Konklusion: WordPress dominiert nicht, weil es technisch modern ist, sondern weil es wirtschaftlich rational ist — für Agenturen, die kleine-zu-mittlere Kunden bedienen.
Fakt 2: Nextjs ist der Standard für ambitionierte Projekte — aber immer noch nische
45 Agenturen (18%) nutzen Nextjs, React oder Vue als primären Stack. Das klingt wenig, ist aber konzentriert bei Agenturen mit höheren Stundensätzen (CHF 150–250/h vs. CHF 80–130/h im WordPress-Segment).
Nextjs wächst, aber langsam. Wenn wir Entwickler-Communities hören (“Jeder neue Job schreibt Nextjs”), ist die reale Agentur-Adoption bescheidener. Drei Gründe:
- Langlebigkeit von Legacy: Eine Agentur, die 2018 Angular-Projekte gebaut hat, hat heute noch 10–15 Kunden mit Angular-Codebases. Migration ist teuer. Sie können Nextjs für Neuprojekte anbieten, bauen aber am Day-Job an Legacy.
- Client-Seitige Barrier: Nextjs braucht einen Devops-Layer: Vercel, AWS, Google Cloud, oder selbst-gehostete Node-Infrastruktur. Für Kunden, die “nur eine Website” wollen, ist das overkill. Agenturen merken schnell: Wir können Nextjs technisch, aber unsere Kunden brauchen es nicht.
- Skill-Gap: Gute Nextjs-Developer sind teuer (CHF 120k–160k Bruttojahres, Senior). Eine kleine Agentur mit 5 Devs kann sich nicht 3 Nextjs-Specialists leisten. Sie müssen generalist sein — und ein generalist, der zu 80% WordPress macht und 20% React, ist nicht optimal.
Regional unterschiedlich: Zürich-Agenturen (Platzspitz, Technopark) nutzen Nextjs/React zu 24%. Ländliche Agenturen (Appenzell, Jura) zu 8%. Das ist ein Signal: Nachfrage folgt Tech-Hubs.
Fakt 3: Astro und SvelteKit wachsen, aber von sehr niedrigen Werten
14 Agenturen (5%) nutzen Astro oder SvelteKit. Das ist ein Aufsteiger-Trend (vor 2 Jahren war es < 1%), aber immer noch marginal.
Warum der Hype nicht ankommt: Astro ist für statische + semi-dynamic Sites optimal (Blogs, Marketing-Seiten, Hybrid-SSR). SvelteKit hat eine kleinere Community. Beide erfordern neues Lernen von bestehenden React/Vue-Teams. Der ROI ist klarer als mit Nextjs (kleinere Bundles, schnellere erste Seite), aber nicht urgent genug für Replatformings.
Interessant: Astro-Agenturen sitzen meist in der Deutschschweiz (Zürich, Basel) und haben eine technisch orientierte Gründer-Story (“Wir lieben moderne Tooling”). WordPress-Agenturen sind oft älter gegründet (Durchschnitt: 14 Jahre alt, vs. Astro-Agenturen 4 Jahre alt). Das deutet auf ein Generationseffekt hin.
Fakt 4: Webflow ist der stille Gewinner — übersehen von Tech-Discourse
33 Agenturen (13%) nennen Webflow als primäres Tool.
Das ist bemerkenswert. Webflow ist nicht “ein Framework” — es ist eine All-in-One-Platform, die WordPress + Figma-Exports + Nextjs-Simplicity zusammenfasst. Designer können es bedienen. Der Kundensupport ist gut. Hosting ist included. Kundenprojekte kosten CHF 20–40k vs. CHF 50–80k mit Nextjs (kürzere Projektdauer).
Webflow-Agenturen haben die höchste Kundenzufriedenheit (84% vs. 76% Durchschnitt im Sample) — wahrscheinlich, weil Kunden sehen, dass ihre Website gut aussieht und schnell ist, ohne dass ihnen die Tech-Komplexität vorgelagert wird.
Webflow ist die Antwort auf “Ich will modern sein, aber ich will nicht mit Devops kämpfen”. Für Schweizer Agenturen ist das attraktiv.
Fakt 5: Die Schweizer Agentur braucht nicht eine Spezialisierung — sie braucht Flexibilität
Der wichtigste Fakt: Nur 16% der Agenturen haben einen eindeutigen, fokussierten Tech-Stack. 84% mischen: WordPress + React, Webflow + Custom Code, Shopify + Astro, etc.
Das ist nicht ein Bug — das ist ein Feature. Die Schweizer Agentur-Realität ist hybrid. Ein Kunde braucht eine Webflow-Brochure. Einer braucht einen Nextjs-SaaS-Dashboard. Einer braucht einen WordPress-Shop. Eine Agentur, die nur eines kann, verliert Kunden. Eine, die flexibel ist, skaliert.
Die erfolgreichsten Agenturen im Sample (Top-Quartil nach Kundenbewertung und Retention) sind die, die sagen: “Wir wählen die beste Technologie für jedes Projekt” — nicht: “Wir sind ein React-Shop.”
Quelle & Methodik
Erhebung: Jan–Aug 2026
Population: 300 Schweizer Digitalagenturen aus digitalawards.ch/verzeichnis/
Sample mit verwertbaren Daten: n=250 (34% technisch unklar oder zu klein für Klassifikation)
Erhebungsmethoden: Tech-Stack-Erkennung (HTTP-Header + JavaScript-Analyse), Self-Reported Service-Tags, direkte Interviews (n=24)
Limitationen:
- Keine Echtzeit-Daten zu Replatformings oder Neueinstellungen
- Survivorship-Bias (nur Agenturen mit öffentlichen Websites)
- Keine Datensicherheit-Audits — wir vertrauten öffentlichen Signalen
- Small-Sample-Issues bei regionalen Breakdowns (z.B. Appenzell Ausserrhoden, n=3)
Zitierbarkeit: Diese Daten darf frei zitiert werden mit Attribution zu digitalawards.ch (z.B. “laut digitalawards-Agentur-Analyse”).