SH Digital aus Frauenfeld baut KI-Systeme für Handwerk, Industrie und KMU — modellunabhängig, mit Schweizer Datenhaltung und einem nüchternen Blick auf die eigenen Zahlen. CEO Sandro Huber im Interview.
SH Digital aus Frauenfeld baut KI-Systeme für Handwerk, Industrie und KMU — modellunabhängig, mit Schweizer Datenhaltung und einem ungewöhnlich nüchternen Blick auf die eigenen Zahlen. CEO Sandro Huber hat uns fünf Fragen beantwortet.
Das Wichtigste in 30 Sek.
- Was SH Digital macht: konkrete KI-Systeme für KMU (KI-Telefonassistent, sechsteilige KI-Suite, «Corporate LLM») plus SEO und GEO (Generative Engine Optimization).
- Modellunabhängig: kein fixer Anbieter — das Modell wird pro Aufgabe nach Komplexität, Datenschutz und Kosten gewählt.
- Daten bleiben im Land: sensible Daten laufen lokal beim Kunden oder auf Schweizer Servern; externe Modelle bekommen nur freigegebene oder anonymisierte Inhalte.
Was SH Digital macht
Bevor wir in die Details gehen, kurz das Profil: SH Digital ist eine Digital-Agentur für Handwerk, Industrie und KMU. Der Kern sind zwei Dinge, die zusammenspielen.
Erstens gebaute KI-Systeme: ein KI-Telefonassistent, eine sechsteilige KI-Suite und ein «Corporate LLM» mit einem sogenannten Sensitiv-Mode für vertrauliche Daten. Technisch aufgebaut auf einem Stack aus n8n, Google Cloud und Python, mit Modellen von Claude, ChatGPT und Gemini.
Zweitens Sichtbarkeit: klassisches SEO und GEO (Generative Engine Optimization) — also die Frage, ob und wie eine Marke in KI-Antworten von ChatGPT, Gemini oder Perplexity auftaucht. Die Preise legt SH Digital dabei offen aus.
Kein Lieblingsmodell, sondern eine Auswahl pro Aufgabe
Viele Agenturen heften sich an einen Anbieter. SH Digital macht das ausdrücklich nicht. Die Modellwahl richtet sich nach drei Faktoren: Komplexität der Aufgabe, Datenschutzanforderungen sowie Geschwindigkeit und Kosten.
Für einfache, klar abgegrenzte Prozesse kommen kleinere oder spezialisierte Modelle zum Einsatz. Für anspruchsvollere Dialoge greift die Agentur zu leistungsfähigeren Modellen. Die Modelle werden getestet und kombiniert, eine feste Bindung an ChatGPT, Claude oder Gemini gibt es nicht. Der Vorteil: Wird ein anderes Modell günstiger oder besser, kann SH Digital wechseln, ohne das ganze System umzubauen.
Sensible Daten verlassen das Haus nicht
Beim Datenschutz wird es für viele Schweizer KMU konkret. Hier setzt SH Digital auf Open-Source-Sprachmodelle, die lokal beim Kunden oder auf Schweizer Servern laufen. Sensible Daten bleiben so in einer definierten Infrastruktur.
Entscheidend ist, wer kontrolliert: «Der Nutzer entscheidet, welche Daten lokal verarbeitet werden» — externe Modelle erhalten nur freigegebene oder anonymisierte Inhalte, und bei sensiblen Daten werden die führenden externen Modelle nicht zwingend eingesetzt. Das ist eine ehrliche Abwägung: Ein lokales Open-Source-Modell ist nicht immer das stärkste am Markt — aber es ist dasjenige, das die Daten nicht aus der Hand gibt.
GEO messen, nicht raten
GEO ist gerade ein Modewort. Die ehrlichere Frage ist, wie man Erfolg darin überhaupt misst — und hier beschreibt SH Digital einen nachvollziehbaren Ansatz.
Die Agentur arbeitet mit definierten Prompts und Suchanfragen, die mehrmals täglich abgefragt und automatisch gespeichert werden. Erfasst wird, ob eine Marke erwähnt wird, ob sie als Quelle zitiert wird und an welcher Position sie auftaucht — verglichen über mehrere KI-Systeme. Ausgewertet wird über längere Zeiträume, mit Fokus auf Trends statt auf einzelne Antworten. Als Kennzahlen dienen «Share of Mentions» und «Share of Citations».
Die Zahlen im Kontext — was «84x mehr Besucher» wirklich heisst
Auf der SH-Digital-Website steht prominent ein Wert: «84x mehr Besucher». Solche Multiplikatoren laden zu Missverständnissen ein, deshalb haben wir nach dem Kontext gefragt — und die Antwort war erfreulich unmarketinghaft.
Es ging um einen einzelnen Fall mit sehr tiefer Ausgangsbasis: Die Website war vorher kaum sichtbar, entsprechend schnell entsteht aus fast nichts ein hoher Faktor. Haupttreiber war klassisches SEO — eine neue Seitenstruktur, relevante Inhalte und die Optimierung auf konkrete Suchanfragen. GEO und KI waren in diesem Fall noch kein Hauptfaktor.
Und der entscheidende Satz: Das Ergebnis sei «nicht pauschal übertragbar» — Ausgangslage, Markt und Umsetzung entscheiden. Eine Agentur, die ihre eigene Vorzeige-Zahl von sich aus einordnet, statt sie als Garantie zu verkaufen, ist selten. Für Auftraggeber heisst das: Hinter jedem solchen Multiplikator steckt eine Ausgangslage — danach sollte man immer fragen.
Der KI-Telefonassistent — ehrlich über die Grenzen
KI am Telefon weckt schnell überzogene Erwartungen. SH Digital hält hier zwei Linien sauber. Erstens Transparenz: Der Assistent wird klar als KI gekennzeichnet, niemand wird getäuscht. Zweitens der Einsatzbereich: Gut funktioniert er bei einfachen, klar abgegrenzten Aufgaben — Termine vereinbaren, wiederkehrende Fragen beantworten, Anliegen aufnehmen, weiterleiten oder vorqualifizieren.
Für komplexe Outbound- oder Verkaufsgespräche sei er aktuell weniger geeignet — und ausdrücklich kein Ersatz für erfahrene Mitarbeitende. Der Assistent nimmt Routine ab; er ersetzt kein Gespräch, das Fingerspitzengefühl braucht.
Über SH Digital
SH Digital GmbH sitzt in Frauenfeld (TG) und versteht sich als Digital-Agentur für Handwerk, Industrie und KMU. Geführt von CEO Sandro Huber, Team von fünf Personen.
- Leistungen: KI-Systeme (KI-Telefonassistent, sechsteilige KI-Suite, «Corporate LLM» mit Sensitiv-Mode), SEO und GEO.
- Stack: n8n, Google Cloud, Python; Modelle von Claude, ChatGPT und Gemini.
- Datenhaltung: lokal beim Kunden oder auf Schweizer Servern für sensible Daten.
- Preise: offen ausgewiesen.
- Web: sh-digital.ch